Medizin

Morphin: Es könnte bald ohne Mohn-

Amerikanische und kanadische Forscher stehen kurz davor, Morphium aus gentechnisch veränderter Hefe herzustellen. Diese Entdeckung wird es ermöglichen, billigere Schmerzmittel herzustellen, könnte aber auch dem Drogenhandel zugute kommen, sofern keine wesentlichen Maßnahmen ergriffen werden.

An diesem Montag, dem 18. Mai, gab ein Team amerikanisch-kanadischer Forscher bekannt, dass sie einen entscheidenden Schritt bei der Herstellung von Morphin aus Hefe entdeckt haben. Bis dahin war es fast undenkbar, Opiate ohne Mohn herstellen zu können.

In ihrer in der Fachzeitschrift Nature Chemical Biology veröffentlichten Studie erklärten die Forscher, dass sie ein Gen aus Rüben in Hefe einführten. Letzteres ermöglicht es der Hefe, Tyrosin, eine Aminosäure, in Reticulin, eine Verbindung von Kollagenfasern, umzuwandeln. Dieses Protein ist der wesentliche Ausgangspunkt für die Produktion von Morphin und all seinen Derivaten wie Codein.

Bis dahin wussten Wissenschaftler, wie man dank Retikulin Morphium aus Hefe gewinnt. Es war jedoch unmöglich, auf die Mohnblume zu verzichten und Tyrosin in Retikulin umzuwandeln. Dank ihrer ersten Ergebnisse glauben Forscher der University of California (USA) und der Concordia University (Kanada), dass eine gentechnisch veränderte Hefe, die Morphin produzieren kann, innerhalb von zwei Jahren verfügbar sein wird. Folglich ist es einfacher und kostengünstiger, Analgetika auf Morphinbasis herzustellen, ohne von der Mohnblume abhängig zu sein. Das Forscherteam erkennt jedoch an, dass diese Entdeckung Drogenhändlern zugute kommen könnte, für die es auch einfacher sein wird, Morphium und damit das daraus gewonnene Heroin zu erhalten.

“Es ist an der Zeit, über Möglichkeiten nachzudenken, wie diese Forschung gestaltet und möglicher Missbrauch verhindert werden kann”, warnt John Dueber, Mitautor der Studie.

In einer in Nature veröffentlichten Kolumne haben andere Experten bereits auf diese Entdeckung reagiert und strengere Vorschriften gefordert. Sie wollen, dass die Laborsicherheit gestärkt wird, aber auch, dass gentechnisch veränderte Hefestämme so überwacht und konstruiert werden, dass die Aufgabe von Menschenhändlern, die sie erhalten möchten, erschwert wird.

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